Von der „Geschichte großer Männer“ zu Wehlers Historischer Sozialwissenschaft

(Anm. d. Aut.: Dieser Text entstand im Sommersemester 2018 im Rahmen des Masterseminars  „Geschichte der Geschichtsschreibung“ im Fachbereich Geschichte der Universität Hamburg. Er ist seitdem nicht verändert worden und entspricht dem damaligen Stand.)

„Dem Historiker ist nicht gestattet, nach der Weise der Naturforscher das Spätere aus dem Früheren einfach abzuleiten. Männer machen die Geschichte. Die Gunst der Weltlage wird im Völkerleben wirksam erst durch den bewußten Menschenwillen, der sie zu benutzen weiß„[i]

Diese Worte hielt der deutsche Historiker und spätere Reichstagsabgeordnete Heinrich von Treitschke (1834-1896) 1879 in seinem Werk über „Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert“ fest und leistete ein prägendes Moment für Geschichtsbilder: Starke, erfolgreiche Männer schreiben die Geschichte, deuten die Zeit und ihre Vergangenheit. Auf die Personen kommt es an – der Grundstein für zukünftigen Personenkult in der Geschichtswissenschaft.

Auch Leopold von Ranke, treibende Kraft des Historismus, hatte einige Jahre vorher festgehalten, dass Personen bzw. Persönlichkeiten in ihren grundlegenden Gestalten sichtbar zu machen, damit Geschichte wiedergegeben werden kann. Außer Acht gelassen wird hierbei aber die Tatsache, dass der Historiker so nur solche Fragen aufwirft und beantwortet, die er selbst aus seinem historischen oder sozialen Bewusstsein entwickelt.[ii]

Eine Sozialgeschichte, wie sie in Frankreich etwa durch die „Annales-Schule“ bereits seit der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert betrieben wurde, fand in Deutschland kaum statt. Für den entscheidenden Durchbruch sorgte erst die sogenannte „Bielefelder Schule“ der 1960er Jahre. Weg von der Geschichte „großer Männer“ und „bahnbrechender Ideen“ hin zu einer Geschichte, die sich den Strukturen der Gesellschaft in ihrer Gesamtheit widmet: Politik, Kultur, soziale Strukturen und Wirtschaft gehören zu den Achsen der neuen Richtung.[iii] Ebenfalls neu, vielleicht sogar eine „bahnbrechende Idee“: die Sozialgeschichte soll nach Hans-Ulrich Wehler eine „kritische“ und „politische […] Wissenschaft“ sein.[iv]

Geschichte kann also mehr sein als nur die Geschichte des (vermeintlichen) Siegers. Durch die Erweiterung des Fokus auf die Gesellschaftsgeschichte in ihrer Gesamtheit entstanden dem Historiker in der Nachkriegszeit, spätestens aber ab den 1960er und 1970er Jahren gänzlich neue Forschungsfelder- und bereiche. Wissen schaffen erscheint um ein Vielfaches einfacher und wahrscheinlicher, als dies im Sinne der „Geschichte großer Männer“ der Fall wäre. So bedient sich die Historische Sozialwissenschaft, da es ihr an einem eigenen Theoriegebäude fehlt, an Theorien und Methoden aus anderen Wissenschaften: Dazu gehören etwa „Idealtypen“, anhand derer Hypothesen entstehen, über die historische Prozesse in empirischen Arbeiten erforscht werden.[v]

Die neuen Errungenschaften bieten jedoch reichlich Grund zur Kritik: die Historische Sozialwissenschaft wurde schnell als (zu) unpersönlich aufgefasst, als zu wenig Erfahrungen einbeziehend. Auf neue Strömungen wie Geschlechter- oder Alltagsgeschichte sei kaum angemessen reagiert worden. Wehler selbst schloss sich der Kritik später sogar an[vi]; oft fehle es jungen Historikern heute an der „Überzeugungskraft einer gelungenen narrativen Darstellung“.[vii]

 

Literaturangaben

[i] Treitschke, Heinrich von: Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert, Band 1, Leipzig 1879, abgerufen unter: http://www.archive.org/stream/deutschegeschic10treigoog#page/n10/mode/2up (letzter Abruf: 03.06.2018), S. 28.

[ii] Vgl. Oexle, Otto Gerhard: Geschichtswissenschaft im Zeichen des Historismus. Studien zu Problemgeschichten der Moderne, Göttingen 1996, S. 73 ff.

[iii] Nathaus, Klaus: Sozialgeschichte und Historische Sozialwissenschaft, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte (24.09.2012), abgerufen unter: http://docupedia.de/zg/Sozialgeschichte_und_Historische_Sozialwissenschaft (letzter Abruf: 03.06.2018), S. 5.

[iv] Ebd.

[v] Ebd., S. 6.

[vi] Sträter, Winfried: Geschichte als Historische Sozialwissenschaft. Winfried Sträter im Gespräch mit Hans-Ulrich Wehler, in: Deutschlandradio Kultur (19.11.2009), abgerufen unter: http://www.deutschlandfunkkultur.de/manuskript-geschichte-als-historische-sozialwissenschaft-pdf.media.f1f3458bd37d5ee834325fd420c09079.pdf (letzter Abruf: 03.06.2018), S. 10.

[vii] Ebd., S. 13.

Zur Geschichtswissenschaft im Nationalsozialismus

(Anm. d. Aut.: Dieser Text entstand im Sommersemester 2018 im Rahmen des Masterseminars  „Geschichte der Geschichtsschreibung“ im Fachbereich Geschichte der Universität Hamburg. Er ist seitdem nicht verändert worden und entspricht dem damaligen Stand.)

Worin liegen die Erkenntnisse verborgen, die man aus heutiger Sicht aus der Lektüre eines nationalsozialistisch geprägten, geschichtswissenschaftlichen Textes noch gewinnen kann? Dass ein Historiker wie Otto Westphal, Mitglied der NSDAP und bekennender Anhänger Adolf Hitlers, nicht zur kritischen Distanz gegenüber dessen Weltauffassung und Politik neigt, vermag wohl niemanden zu überraschen. Das deutsche Volk, glaubt man Westphal, habe ja nur auf jemanden wie Hitler gewartet, zur Machtübernahme und zum Anführer des Deutschen Reiches berufen, nach „katastrophalen“ Jahren der versuchten Demokratie.

Geschichte, sagt Westphal, kenne keine Zufälle. Deutsche Geschichte setze nun, in Folge des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und des Kaiserreiches, bei Hitlers „germanischem Reich“ als notwendigem Mittel gegen das Chaos in der übrigen Welt der alten Mächte, an. Hitler selbst stehe in der Tradition großer deutscher Staatsmänner á la Otto von Bismarck und Friedrich dem Großen. Ausgangspunkt für die deutsche Geschichtsschreibung: Leopold von Ranke. Ausgerechnet Leopold von Ranke, der mit seiner Idee des Historismus auf möglichst objektive und durch zeitgenössische Belege fundierte wissenschaftliche Arbeit gesetzt hatte?

Nur konsequent, denn der Historismus ist durchaus auch als Machtgeschichte und die Geschichte großer Staatsmänner zu betrachten, vor allem aber habe Ranke die Existenz einer „deutschen“ Geschichte ausgeschlossen. Das, was wirklich war – und ist –, sei so aber nicht zu beschreiben, der Nationalsozialismus biete nun die entsprechenden Möglichkeiten für die Wissenschaft. Die Marschroute ist deutlich: Hitlers NS-Staat bringt neben dem deutschen Volk auch die deutsche Geschichtswissenschaft „nach vorne“, und dabei steht das Reich gerade erst am Anfang, wie Otto Westphal im Titel seines Buches verlauten lässt: „Das Reich. Aufgang und Vollendung“.

Was bleibt also als Erkenntnis? Historiker besitzen ein gewisses Machtpotential gegenüber Politik, Wirtschaft und Gesellschaft durch eine faktenbasierte, historisch verankerte Ausübung von Kritik, Historiker besitzen aber auch Verantwortung gegenüber der Geschichte selbst, für Erinnerungs- und Lernprozesse anhand kritischer Betrachtung und Einordnung zu sorgen. Nicht nur Otto Westphal lässt genau das aber schmerzlich vermissen, biedert sich stattdessen auf ganzer Linie dem nationalsozialistischen System an. Neue, gar wegweisende Schlüsse auf den Stand der deutschen Geschichtswissenschaft unter dem Hakenkreuz sind bei einer Lektüre Westphals im Hier und Jetzt ebenso wenig zu finden.

Die Aufarbeitung dieses Kapitels deutscher Historie ist selbst längst ein Fall für die Geschichtswissenschaft geworden. Der Deutsche Historikertag widmete dem Thema „Historiker im Nationalsozialismus“ beispielsweise 1998 eine ganze Sektion, Ingo Haar legte 2000 eine vielbeachtete und kontrovers diskutierte Dissertation vor. Während die Geschichte der Geschichtsschreibung noch immer ein aktuelles Thema ist, scheint die Aufarbeitung der NS-Historiographiegeschichte weitgehend abgeschlossen: Betrachtet man etwa den Katalog der Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek, kommt dieses Feld aktuell vor allem – wenn überhaupt – noch in biografischen Arbeiten vor.

Tod und Vergänglichkeit als Motive in Giuseppe Tomasi di Lampedusas „Il Gattopardo“

(Anm. d. Aut.: Dieses Essay entstand im Sommersemester 2016 innerhalb der Vorlesung „Memento mori: Endlichkeit und Todeserfahrung in den romanischen Literaturen und Kulturen“ am Fachbereich Romanistik der Universität Hamburg. Es entspricht der damaligen Form.)

Das Leben ist vergänglich, alles das eingeschlossen, was der Mensch in seinem Leben macht. Es liegt in der Hand eines Menschen, Dinge zu schaffen, die über das Leben hinaus erhalten bleiben, oder die zumindest im eigenen Leben eine Konstante bilden. Doch es liegt auch in menschlicher Hand, dieses Bewusstsein zu verpassen oder erst zu spät zu erlangen. Jeden Tag bemerken wir dies schon dann, wenn wir dem Tod in vielfältiger Art und Weise begegnen. Sei es bei Freunden oder Verwandten, oder auf Distanz in den täglichen Nachrichten.

Was bleibt vom Leben? Was bleibt von einem selbst? Was wurde verpasst, was hätte man unbedingt einmal erreichen wollen? Die Allgegenwart der Sterblichkeit und der Vergänglichkeit macht dem Menschen immer wieder bewusst, dass ein Fortbestehen des Gewohnten keine Selbstverständlichkeit ist. Genauso wenig wie die Verwirklichung der eigenen Träume und Ziele.

Aus diesem Bewusst werden der Vergänglichkeit kann sich die Motivation entwickeln, das eigene Leben bewusster und für sich selbst lebenswerter zu gestalten. Mit den Worten des römischen Kaisers Marcus Aurelius ausgedrückt: „Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern dass man nie beginnen wird zu leben.“ Man solle also gar nicht erst über die Vergänglichkeit nachdenken, sondern jeden einzelnen Augenblick zum Leben und zum Erfreuen am eigenen Sein nutzen und damit etwas Bleibendes schaffen.

Auf diesem Wege des Umgangs mit der Vergänglichkeit befindet sich auch Giuseppe Tomasi di Lampedusas Werk „Il Gattopardo“, erstmals 1958 erschienen. Tomasi di Lampedusa erzählt die Geschichte seiner eigenen Familie zwischen 1860 und 1910. Anfangs noch eine einflussreiche sizilianische Familie, verlaufen die folgenden Jahre der Familie Salina unter einer andauernden Suche nach Glück, einem bleibenden Sinn des Lebens und Versuchen, das Gewohnte zu bewahren – all dies in einer Zeit starker sozialer und politischer Umbrüche in Italien.

Mit zunehmendem Alter der Protagonisten rückt das Motiv der Vergänglichkeit immer mehr in den Fokus, bis Fürst Fabrizio schließlich sein Leben resümierend auf dem Sterbebett zitiert wird: „Ho settantatré anni, all’ingrosso ne avrò vissuto, veramente vissuto, un totale di due… tre al massimo“.

Das Motiv der Vergänglichkeit

Don Fabrizios Resümee seines eigenen Lebens schließt sich direkt an das aus dem Barock bekannten Motiv des „Memento mori“, zu Deutsch: „Bedenke, dass du stirbst“, an. Der Stunde seines Todes nahe, quält ihn der Gedanke, bald sterben zu müssen, ohne vorher wirklich gelebt haben und diesem Leben einen bleibenden Sinn geben zu können.

Im späteren Verlaufe zieht Tomasi di Lampedusa bei den Nachfahren des Fürsten eine weitere „Memento mori“-Referenz: Noch im Alter von rund 70 Jahren sei bei diesen ein Überbleibsel ihrer jugendlichen Schönheit zu finden gewesen, vor allem bei Angelica, der Ehefrau des Neffen des Fürsten. Jedoch habe sich diese schon bald ihrer Vergänglichkeit ob einer Krankheit bewusst werden müssen, die sie in eine „larva miseranda“, in einen kümmerlichen Schatten ihrer Selbst verwandelt.

Ihre Schönheit behielt sich Angelica für ihren Ehemann Tancredì vor, mit dem sie bereits als junge Frau die schönste Zeit ihres Lebens genoss. Doch die Liebe und Romantik ihrer Beziehung sollten nicht von Dauer sein, denn Angelica wird Witwe, noch bevor sie und Tancredì gemeinsam alt werden können.

Die im letzten Kapitel aufgegriffenen letzten Erinnerungen an die Jugend lassen sich im Kontext der „Vanitas“-Idee lesen. Sowohl Angelica als auch die drei Töchter des Fürsten – Concetta, Carolina und Caterina – werden sich weniger ihres nahenden Endes bewusst als der Nichtigkeit und der Vergänglichkeit ihres bisherigen Lebens. Alle drei Schwestern bleiben Zeit Lebens unverheiratet und tragen das Leid ihrer unerfüllten Sehnsüchte und Hoffnungen in sich. So hat Concetta die nicht erwiderte Liebe zu Tancredì niemals überwinden können, und im Hause der Familie finden sich noch im Jahre 1910 Überreste des Familienhundes Bendicò als Andenken an vergangene Zeiten.

So zieht sich das Thema der vergeblichen Suche nach Kontinuität, Glück und einem bleibenden Sinn des Lebens durch die gesamte Handlung des „Gattopardo“, stets verbunden durch die Geschichte des Tancredì und der Angelica. Diese verweist jedoch nicht allein auf das Leid der Familie Salina im Sinne der Beziehungen untereinander, sondern auch auf die politischen Spannungen, die zu den schmerzlichen Empfindungen des Fürsten Fabrizio beitragen. Jener Tancredì ist ein Teil der Bewegung Giuseppe Garibaldis, einem Protagonisten des „Risorgimento“.

Oftmals wird Tancredì mit folgenden Worten zitiert: „Se vogliamo che tutto rimanga com’è, bisogna che tutto cambi“, „[w]enn alles bleiben soll, wie es ist, muss sich alles ändern.“Er macht sich auf, nachhaltige Veränderungen am politischen und in der Konsequenz auch am gesellschaftlichen System Italiens zu erreichen. Damit einher geht der Verlust der Macht der Fürstenfamilie Salina, was dem politischen Einfluss und dem Ansehen der Familie ein Ende bereitet.

Letztlich wird dem Status eines Fürsten somit jegliche Bedeutung genommen – Don Fabrizio bleibt als letzter Fürst der Salina der letzte wahre Vertreter der Familie. Schon früh, im November 1860, muss sich Don Fabrizio dem drohenden Abstieg seiner Bedeutung gewahr werden: Er, als Fürst von Sizilien, bekommt nach der Vereinigung seines Herrschaftsgebiets mit dem Königreich Sardinien gerade noch den Posten eines Senators angeboten, dem neuen König unterständig. Don Salina lehnt jedoch ab, im Glauben, selbst die richtigen Entscheidungen für Sizilien treffen und dem Italien Garibaldis fern bleiben zu können:

„In questi sei ultimi mesi, da quando il vostro Garibaldi ha posto piede a Marsala, troppe cose sono state fatte senza consultarci perché adesso si possa chiedere a un membro della vecchia classe dirigente [.] […] [D]a duemila cinquecento anni siamo colonia.“

Mit dieser Haltung manifestiert Don Fabrizio letztlich den „Tod“ seiner Familie. Er beharrt auf dem Gewohnten, auf dem immer schon gewesenen, und verweigert sich den anstehenden gravierenden Veränderungen Italiens. Interessant ist zudem eine Betrachtung des Anfangs- und des Schlusssatzes des „Gattopardo“. Tomasi di Lampedusa beginnt den Roman mit folgenden Worten: „Nunc et in bora mortis nostrae. Amen.“

Hierbei handelt es sich um den Schlusssatz aus dem Ave-Maria, zu Deutsch: „Nun und in der Stunde unseres Todes. Amen.“ Der Fürst spricht diese Worte und fühlt sich an die Begriffe „amore, verginità, morte“ erinnert – Begriffe, die den „Gattopardo“ durchweg prägen.

Den Schluss bildet folgender Satz: „Poi tutto trovò pace in un mucchietto di polvere livida“. Alles findet seinen Frieden, zerfallen in einen Haufen fahlem Staub, womit Tomasi di Lampedusa die nun ehemalige Macht und das verlorene Ansehen seiner Familie, das Ende des alten Sizilien, die Sehnsüchte der Töchter und auch deren nicht mit Glück versehene Liebschaften anspricht. Zudem stellt dies im Verbund mit dem Anfangssatz gewissermaßen die „Klammer“ für die gesamte Handlung des „Gattopardo“ dar.

Schlussbetrachtung

Die Darstellung der menschlichen Vergänglichkeit in vielen Facetten bildet den großen Rahmen für Giuseppe Tomasi di Lampedusas „Il Gattopardo“. Die (vergebliche) Suche nach Glück und dem Fortbestand des Alten und Gewohnten findet sich darin für jeden der Protagonisten dargestellt: Sei es nun der Fürst mit dem Versuch, sein Amt zu retten oder die unglücklich verlaufende Beziehung zwischen Tancredì und Angelica.

All diese kleinen Geschichten des Scheiterns und der vergeblichen Mühe zeigen im großen, verbundenen Rahmen, dass es manchmal notwendig ist, zu scheitern und Schmerz zu fühlen. Erst dadurch wird es möglich, sich der Vergänglichkeit bewusst zu werden und sich auf Basis der negativen Erfahrungen die positiven Seiten des eigenen Seins vor Augen zu führen, wie im Falle des Don Fabrizio zu sehen ist.

Das Leben dient nicht dazu, sich ständig quälende Gedanken über den nahenden Tod zu machen. Es dient dazu, sich Gedanken darüber zu machen, wie es möglichst lebenswert gestaltet werden kann und wie man das eigene Leben für sich selbst nachhaltig füllt. Dazu gehört auch, wie Tomasi di Lampedusa es aufführt, manches auszuprobieren – selbst wenn es im Nachhinein als gescheitert zu betrachten ist, wie Tancredìs „Risorgimento“-Engagement oder die Beziehung zu Angelica.

 

Literatur

Tomasi di Lampedusa, Giuseppe: Il Gattopardo, Mailand 1997.

Tomasi di Lampedusa, Giuseppe: Der Gattopardo, München 2011.